Entdeckungen

Eine Werkstatt

Autor: Hans Utz

Die Schülerinnen und Schüler sollten sie in dieser Unterrichtseinheit selbst entdecken können. Deshalb ist sie als grosse Werkstatt gestaltet; aber es ist natürlich möglich, die einzelnen Postenblätter in anderen Unterrichtsformen (im Plenum, als arbeitsteilige Gruppenarbeiten oder anders) einzusetzen. Die Postenarbeiten sind in Lösungen (die auch den Schülerinnen und Schülern zur Selbstkontrolle ausgehändigt werden können) und Erläuterungen für Sie gegliedert. Die Werkstatt ist in sechs Themeneinheiten unterteilt.
Zusätzlich ist im Rahmen der Diskussion um die Kompetenz-Orientierung des Geschichtsunterrichts für jeden Posten angegeben, welche Kompetenzen darin geschult werden können. Die Aufgaben und Lösungen sind auf ein Kompetenzmodell ausgerichtet, das in modifizierter Form auch dem Lehrplan 21 zugrunde liegt.
Unterlagen für die Werkstatt:
– Handreichungen für Sie
– Werkstattpass
– Kompetenzmodell
– Werkstattposten-Liste

Kolumbus’ Entdeckungsfahrten werden detailliert und exemplarisch für die Risiken und Unwägbarkeiten sowie die Konfrontation ganz unterschiedlicher Kulturen erarbeitet. An einem Posten können die Schülerinnen und Schüler auch einen Ausschnitt Film «1492 – The Conquest of Paradise» analysieren, der in Themeneinheit 11.7 ausführlicher für die Behandlung in der Klasse aufbereitet ist.

Die Entdeckungsfahrten und das Zeitalter der Entdeckungen werden eingebunden in den Zusammenhang des Mittelalters, um den Eindruck zu relativieren, als seien sie etwas ganz Neues und Unerhörtes gewesen.

Bezüglich der unmittelbaren Voraussetzungen der Entdeckungen werden sowohl die europäische als auch die indianische Seite beleuchtet, um zu verhindern, dass die Entdeckung einseitig aus der Sicht der «Entdecker» gesehen werden.

Am Beispiel von Dokumenten über die Eroberung des Aztekenreiches erarbeiten die Schülerinnen und Schüler die Unterwerfung der spanischen Kolonien.

Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit der Unterjochung der Indios und Indias und der Verschleppung afrikanischer Sklaven und Sklavinnen auseinander.

An Beispielen erfahren die Schülerinnen und Schüler von ungelösten Fragen im Zusammenhang mit den Entdeckungen und ziehen ein Fazit über diese Thema.

Kolumbus’ Entdeckungsfahrt steht zu Recht im Zentrum der Beschäftigung mit den Entdeckungen. Es zeigt sich an ihr das wissenschaftliche Interesse und die Risikobereitschaft, die mannigfachen Zufälle und der verhängnisvolle Übegang vom Entdecken zum Ausbeuten.

Diese Themeneinheit kann als Einstieg verwendet werden, der schon viele weitere Motive in sich schliesst.

Als weiterer Posten ist eine freie Recherche zu Kolumbus denkbar, deren Ergebnisse am Posten hinterlassen werden.

Kapitel 1: Meinungen

Die Schülerinnen und Schüler konfrontieren sich mit verschiedenen Meinungen über Kolumbus und beschäftigen sich danach mit den heutigen Erkenntnissen dazu.

Kapitel 2: Held

Die Schülerinnen und Schüler setzen sich auf Grund der Informationen über die erste Entdeckungsfahrt mit der Frage auseinander, inwiefern Kolumbus ein echter Held und inwiefern ein Kind seiner Zeit war. Obligatorischer Posten

Kapitel 3: Bordbuch

Die Schülerinnen und Schüler beantworten Fragen zu Kolumbus’ Bordbuch und vergegenwärtigen sich damit die Umstände bei der Landung auf der Insel Sans Salvador.

Kapitel 4: Bild

Die Schülerinnen und Schüler betrachten Theodor de Brys Bild über Kolumbus’ Landung ganz genau.

Kapitel 5: Wissenschaft

Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit einem Urteil eines heutigen Wissenschafters über Kolumbus als Menschen zwischen Mittelalter und Neuzeit auseinander. Dieser Posten ist besonders für zur Abstraktion fähige Schülerinnen und Schüler gedacht.

Kapitel 6: Filmausschnitt “1492”

Als ein Werkstattposten kann ein Ausschnitt aus dem Film «1492 – Conquest of Paradise» eingesetzt werden. Der Film ist als DVD immer im Handel oder via Streamingdienste wie goopgle play aberufbar.

Die Entdeckungsfahrten werden in der älteren Forschung und in der Literatur häufig als dramatischer, auch unvermittelter, innerer und äusserlicher Aufbruch des europäischen Geistes gewertet. Diese Themeneinheit hier weist darauf hin, dass die Entdeckungen sowohl geistig als auch materiell in einer Entwicklung eingebettet sind, welche schon rund 300 Jahre zuvor im Hochmittelalter begann.

Die Gegenüberstellung vom dunklen, dumpfen Mittelalter und moderner Neuzeit ist heute überholt. Diese Themeneinheit ist eher anspruchsvoll. Man kann sie in schwächeren Klassen zugunsten der Themeneinheit 11.3 weglassen.

Kapitel 1:Entwicklung

Die Schülerinnen und Schüler arbeiten aus einem Verfassertext die wichtigen Entwicklungen heraus, die bereits 300 Jahre vor den Entdeckungsfahrten auf sie hinzuführen begannen. Diesen Posten kann man als obligatorisch bezeichen.

Kapitel 2: Quellen

Statt eines Überblicks wie in Posten 2.1 (oder als seine Vertiefung) kann auch mit der Analyse von zwei Quellentexten die Kontinuität zum mittelalterlichen Denken hergestellt werden.

Kapitel 3: Dante

Dantes «Göttliche Komödie» setzt sich bereits um 1300 mit einer Fahrt in den unbekannten Westen auseinander. Die Schülerinnen und Schüler rekonstruieren Dantes Vorstellungen aus dem nicht einfachen Text.

Im Gegensatz zu den geistigen, langfristigen werden hier die materiellen und unmittelbaren Voraussetzungen der Entdeckungsfahrten und zwar auf beiden Seiten des Ozeans, dargestellt. Dabei wird etwas umfassender in die Kultur der Indios und Indias in Amerika eingeführt, damit die Schülerinnen und Schüler die folgenden Auseinandersetzungen in den Grundzügen verstehen können.

Kapitel 1: Geografie

Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten sich mit dem Vergleich von Text und Karten den Stand der geografischen Kenntnisse vor den Entdeckungen.

Kapitel 2: Technik

Beispiel der Entwicklung der Segel erarbeiten die Schülerinnen und Schüler, wie die Entdeckungsfahrten auf die technischen Entwicklungen angewiesen waren

Kapitel 3: Kulturen 1

Die Schülerinnen und Schüler ordnen die verschiedenen Eigenschaften ein, welche die Indiokulturen in Amerika prinzipiell unterscheiden. Obligatorischer Posten.

Kapitel 4: Kulturen 2

Detaillierter als in Posten 3.3 lernen die Schülerinnen und Schüler hier die unterschiedlichen Voraussetzungen der amerikanischen und europäischen Kulturen kennen.

Kapitel 5: Menschenopfer

Die aztekischen Menschenopfer fordern die Schülerinnen und Schüler nach der Interpretation zweier Fachmeinungen zu einer Beurteilung heraus.

Hernan Cortéz’ Eroberung des Aztekenreiches wird exemplarisch für die Eroberung der spanischen Kolonien dargestellt in sowohl zwei aztekischen (einer Bilderschrift und einer Erzählung) als in einer spanischen Quelle. Diese drei Geschichten decken frühe Phasen der Eroberung ab, können aber für die Haltung beider Seiten während der Eroberung des ganzen spanischen Kolonialreiches stehen.

Kapitel 1: Karte

Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten sich durch die Beantwortung von Fragen zu einer wissenschaftlichen Geschichtskarte einen Überblick über die spanischen Eroberungen von Kolonien. Obligatorischer Posten.

Kapitel 2: Bilderchronik

Die Eroberung Mexikos erfahren die Schülerinnen und Schüler durch die Entzifferung einer aztektischen Bilderchronik anhand von zwei gestaffelten Lösungen.

Kapitel 3: Cortez

Parallel dazu können sie eine Erzählung über Cortéz’ Marsch nach Tenochtitlan (das alte Mexiko) aus aztekischer Sicht erschliessen.

Kapitel 4: Moctezuma

Die Geiselnahme des Aztekenherrscher Moctezuma wird anhand einer spanischen Quelle geschildert. Die Schülerinnen und Schüler versuchen die Situation für sich zu klären und die Absichten der beiden Seiten zu ergründen.

Die Folgen der Eroberung münden ein in die Geschichte eines Kontinents und könnten auf dem politischen, auf dem wirtschaftlichen (Grossgrundbesitz, Monokultur), dem kulturellen und sozialen Bereich weiterverfolgt werden. Die Werkstatt hier beschränkt sich im sozialen Bereich auf die Unterdrückung der Indios und Indias und den Einsatz schwarzer Sklavinnen und Sklaven.

Sie weitet diese Frage, ohne dies weiter zu thematisieren, auf die Zeit bis ins 19. Jahrhundert und die gesamte transatlantische Sklaverei auch in den Vereinigten Staaten aus.

Kapitel 1: Versklavung

Die Schülerinnen und Schüler setzen sich anhand eines Verfasser- und eines Quellentextes mit den Argumenten für und gegen die Versklavung der Indios und Indias auseinander.

Kapitel 2: Las Casas

Die Schülerinnen und Schüler analysieren zwei längere Texte von Bartolomé de Las Casas im Hinblick auf dessen Stellungnahme zur Ausrottung und Unterdrückung der Indio-Bevölkerung.

Kapitel 3: Sicht Indios

Aus der Sicht der Indios interpretieren die Schülerinnen und Schüler eine aus Bild und Text kombinierte Quelle.

Kapitel 4: Bevölkerungsstatistik

Die Schülerinnen und Schüler versuchen eine Bevölkerungsstatistik der spanischen Kolonien auf die wichtigsten Entwicklungen hin zu analysieren.

Kapitel 5: Sklavenhandel

Aus einem Verfassertext übertragen die Schülerinnen und Schüler Informationen über den Sklavenhandel mit schwarzen Sklavinnen und Sklaven in eine Karte. Obligatorischer Posten.

Kapitel 6: Sklavenweg

Anhand von zehn Bildquellen rekonstruieren die Schülerinnen und Schüler den Weg der afrikanischen Sklaven und Sklavinnen in Amerika.

Kapitel 7: Beurteilung

Indem sie sich auch mit in Teilbereichen positiven Urteilen über die transatlantische Sklaverei auseinandersetzen, bilden sich die Schülerinnen und Schüler ein Urteil über die Sklaverei.

Geschichte ist nicht abgeschlossen: In dieser Themeneinheit wird auf Fragen aufmerksam gemacht, die nicht geklärt oder umstritten sind.

Solche Posten, die teilweise nur wenig Zeit in Anspruch nehmen, können auch gewählt werden, um den Rest einer Lektion zu nutzen.

Die Schülerinnen und Schüler sollen aber im Posten 11.6.5 ein Fazit ziehen, das für die Auswertung der Werkstattarbeit herangezogen werden kann.

Kapitel 1: Missverständnis

Die Schülerinnen und Schüler diskutieren über die Möglichkeit, dass Kolumbus durch ein Missverständnis die Inselbewohner in der Karibik als Kannibalen auffasste, während sie möglicherweise ihn nur danach fragten, ob er ein Carib sei. Sie erfahren andere Beispiel von missverständlichen Zuschreibungen.

Kapitel 2: Quetzalcoatl

Die Schülerinnen und Schüler konfrontieren sich mit zwei wissenschaftlichen Meinungen darüber, ob die Azteken Cortéz für den Gott Quetzalcoatl hielten. Sie erkennen, dass Fragen offen sind.

Kapitel 3: Ureinwohner

Alte Quellen aus dem 1. Jahrhundert nach Chr. geben zu Spekulationen Anlass, ob auch schon einmal amerikanische Ureinwohner an Europas Küsten geschwemmt worden sind. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit diesen Spekulationen auseinander.

Kapitel 4: Bichsel

«Amerika gibt es nicht»: Peter Bichsel malt sich in seiner Kindergeschichte eine ganz andere Geschichte der Entdeckungsfahrten aus. Die Schülerinnen und Schüler lesen sie ohne Aufgabenstellung.

Kapitel 5: Fazit

Die Schülerinnen und Schüler bringen auf einen ganz kurzen Nenner, was sie als Fazit aus der Geschichte der Entdeckungen und Eroberungen Amerikas festhalten wollen. Obligatorischer Posten; mit einer Ausstellung der Fazite lässt sich die Auswertung der Werkstattarbeit einleiten.

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