Migration

Autorin: Seraina Gartmann

Lernziele

Was hat ein Tessiner Bub, der in Norditalien als Kaminfeger arbeitet, mit einem aus Ghana stammenden Fussballspieler bei Manchester United gemeinsam? Was eine Deutsche in New York mit einer Rentnerin am Mittelmeer? Sie alle sind Migranten und Migrantinnen, Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt in eine andere Umgebung verlagern. Die wandernden Menschen sind vielfältig, ebenso ihre Wanderungsgründe. Migration ist ein überzeitliches Phänomen, ohne Anfang und Ende. Bevölkerungswanderungen werden sehr unterschiedlich beurteilt, meist kommen in den historischen und aktuellen Debatten Ängste und Hoffnungen zugleich zum Ausdruck. Politisch und gesellschaftlich ist es umstritten, wie gegenwärtig und zukünftig auf Migration reagiert werden soll. Wie können nun im Unterricht historische Erfahrungen und aktuelle Probleme so vermittelt werden, dass die Schülerinnen und Schüler sich in diesem weiten Feld orientieren können? Vielleicht so, wie die Migrantinnen und Migranten kommen und gehen: auf verschiedenen Wegen

Dass es sich bei Migrantinnen und Migranten nicht zwingend um Wirtschaftsflüchtlinge und Asylsuchende handeln muss, sondern um eine Vielzahl von Gruppen mit einer Vielzahl von Motiven, wird im ersten Kapitel durchgespielt. Von den Gruppen verlagert sich der Fokus in einem regionalgeschichtlichen Rollenspiel auf die einzelnen Migranten und Migrantinnen: Wer ist wann warum nach Basel migriert? Schliesslich werden die Schülerinnen und Schüler selbst zu Migrationsforscherinnen und –forschern, indem sie selbst einen Migranten oder eine Migrantin und seine bzw. ihre Geschichte untersuchen.

Hier führt die Reise in die Vergangenheit. Die grosse Auswanderungswelle von Mitteleuropa nach Nord- und Südamerika Mitte des 19. Jahrhunderts. Migrantinnen und Migranten berichten von den Beschwerden der Reise und des Ankommens, vom Auseinanderklaffen von Traum und Wirklichkeit.

Eine Gruppe, die besonders häufig mit der Migrationsthematik in Verbindung gebracht wird, sind die Jüdinnen und Juden. Drei Beispiele aus drei verschiedenen Zeiträumen geben einen Einblick in die Problematik der jüdischen Migration.

Und die Schweiz? Während des Wirtschaftsbooms, der nach dem 2. Weltkrieg begann und bis 1973 andauerte, kamen sehr viele Italienerinnen und Italiener in die Schweiz, um hier zu arbeiten und zu leben. Wie reagierten die Schweizerinnen und Schweizer auf diese «Fremden»?

Der Einstieg in diese Themeneinheit erfolgt von der Gegenwart her, in der freiwillige und unfreiwillige, kurzzeitige und definitive Migration ja stark präsent ist. Dabei versuchen wir die SchülerInnen in ihrer Lebenswelt abzuholen oder ein Stück weit in die Lebenswelt der Migrantinnen und Migranten hineinzuführen.

Kapitel 1: Migrationsgruppen

Zum Einstieg in das Thema werden zehn verschiedene Migrationsgruppen in Kleingruppen hinsichtlich folgender Fragen untersucht: Beginn und Ende der Migration, Grösse der Gruppe, Gründe für die Migration. Dazu dienen Bilder, Karten und Tabellen zum Ausfüllen.

Kapitel 2: Gruppenpuzzle

Mit einem Gruppenpuzzle oder mit Kurzreferaten werden die Ergebnisse aus den Kleingruppen bearbeitet und vervollständigt; hier sind die dazu notwendigen Arbeitsblätter.

Kapitel 3: Rollenspiel

Wie es sich quasi in der Haut eines Migranten / einer Migrantin anfühlt, kann mit dem regionalgeschichtlichen Rollenspiel erlebt werden: Acht Menschen aus verschiedenen Zeiten treffen sich in der Basler Münsterfähre und geben Auskunft.

Kapitel 4: Fallbeispiel

Anleitung für ein Fallbeispiel über eine Migrantin oder einen Migranten. Mittels Biografieforschung erarbeiten die Schülerinnen und Schüler ihre eigene kleine oral-history-Studie.

Die zweite Themeneinheit widmet sich nun dem historischen Beispiel der europäischen Auswanderung nach Amerika im 19. Jahrhundert. Gleich bleibt die Methode: Schülerinnen und Schüler werden auch hier in die Situation und die Sicht der Emigrierenden hineingeführt.

Kapitel 1: Quellen

Vortrag bzw. Lesetext, Textquelle und Bildquelle (Plakat) dienen zur Erarbeitung der Nordamerika-Auswanderung Mitte des 19. Jahrhunderts. Hier stehen die Beschwerden des Abfahrens, der Reise und des Ankommens zur Debatte.

Kapitel 2: Erlebnisgeschichte

Nach einem Vortrag oder einem Lesetext eine Erlebnisgeschichte: Beim Aufräumen eines Estrichs kommen Briefschnipsel des Basler Amerika-Auswanderes Remigius Wirz zum Vorschein. Was hat er den Daheimgebliebenen geschrieben?

Kapitel 3: Rollenspiels

Nach einem Vortrag oder einem Lesetext studieren die Schülerinnen und Schüler einen Kontrakt zwischen Kolonisten und einem despotischen Plantagenbesitzer. Die Aufgabe ist, mittels eines Rollenspiels einen neuen, faireren Vertrag zu entwerfen.

Kapitel 4: Levi Strauss

Aber es gab auch glückliche Migranten: Einer von ihnen ist Levi Strauss, ein jüdischer Bayer, der uns mit seinen Beinkleidern auch heute noch zu beglücken weiss.

Diese Themeneinheit schlägt eine Brücke zur Shoah, indem sie zeigt, wie neben den ermordeten auch die vertriebenen Menschen gelitten haben. Sie zeigt den Zusammenhang zwischen politischer Gewalt und Migration. Die Schülerinnen und Schüler erleben an Fallbeispielen, wie sich die Migation auf Familien ausgewirkt hat.

Kapitel 1: Quellen

Nach einem Vortrag oder Lesetext über die Vertreibung der Jüdinnen und Juden aus Spanien problematisieren Schülerinnen und Schüler Text- und Bildquellen diese Vertreibung.

Kapitel 2: Josef Kitron

Der Berliner Jude Josef Kitron ist im Zuge des Zionismus freiwillig und gegen den Willen seiner Eltern nach Palästina ausgewandert: ein Porträt. Aus einem Interview mit ihm entschlüsseln die Schülerinnen und Schüler Kitrons Beweggründe und Erlebnisse vor, während und nach der Auswanderung.

Kapitel 3: Familie Waldeck

Die jüdische Familie Waldeck lebte im deutschen Münster, als sie die nationalsozialistische Tendenzen jener Zeit immer stärker zu spüren begannen. Anhand dieses Familienschicksals können unterschiedliche Verhaltensmuster erkannt werden, die schliesslich zu verschiedenen Migrationen (z.B. Flucht) führten oder eben nicht.

Kapitel 4: Strukturanalyse

Mittels Begriffen und Bildern (Strukturanalyse) reflektieren die Schülerinnen und Schüler abschliessend noch einmal diese Vertiefungseinheit

Die vierte Themeneinheit schreitet nochmals eine Epoche Richtung Gegenwart voran und richtet nun den Blickwinkel vor allem auf die von einer Immigration betroffenen ansässigen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger. Sie schlägt am Beispiel der schweizerischen Einwanderungsdebatte der sechziger Jahre den Bogen zwischen Einzelschicksal und historischem Phänomen. Vergleiche dazu auch die Unterrichtseinheit aus “Zeitgeschichte Aargau”.

Kapitel 1: Quellen

Nach einem Vortrag bzw. Lesetext über den Nachkriegszeit-Wirtschaftsboom und das Rotationsprinzip in der Schweiz analysieren die Schülerinnen und Schüler die Gründe der Einwanderer und Einwanderinnen.

Kapitel 2: Einwanderungsgegner

Auf der schweizerischen Seite analysieren die Schülerinnen und Schüler die Position der Einwanderungsgegner. Sie setzen sich mit Darstellungen auf Bierdeckeln auseinander, welche die Einwanderung befürworten.

Kapitel 3: Max Frisch

Ein geistiger Gegner von James Schwarzenbach und Konsorten war der Schriftsteller Max Frisch. Nebst Teilen aus seiner berühmten Rede denken die Schülerinnen und Schüler auch über andere Aussagen zur Frage, was Heimat sei, nach.

Kapitel 4: Charaktereigenschaften

Die Schülerinnen und Schüler schätzen die Charaktereigenschaften von Italienerinnen und Italienern, Schweizerinnen und Schweizern ein. Anschliessend vergleichen sie die Ergebnisse aus der Schulstube mit zwei Studienergebnissen aus den Jahren 1969 und 1995.

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